
Plov ist kein gewöhnliches Reisgericht. In Usbekistan ist Plov Kultur, Tradition und Gemeinschaft in einem einzigen Topf. Dieses Gericht wird nicht einfach gekocht – es wird zelebriert. Vom Marktplatz in Samarkand bis zum Familienfest in Taschkent steht der dampfende Kasan im Mittelpunkt, um den sich alle versammeln.
Wer einmal echten usbekischen Plov gegessen hat, merkt sofort: Das ist etwas völlig anderes als „Reis mit Fleisch“. Während man beim indonesischen Nasi Goreng eher auf schnelle Hitze und Pfannenrühren setzt, ist Plov ein Geduldsspiel der Schichten.
Die Kunst des Kasans: Warum das Kochgeschirr entscheidend ist
Der Geschmack ist tief, kräftig und dennoch ausgewogen. Der Reis ist körnig, das Fleisch saftig, die Karotten süßlich – und alles riecht nach Kreuzkümmel, Knoblauch und Geduld. Wer keine Lust auf Backofen-Gerichte hat, findet hier eines der besten Rezepte ohne Backofen, da alles in einem einzigen massiven Topf geschieht.
In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du original usbekischen Plov im Gusseisentopf (Kasan) zubereitest. Ohne Abkürzungen, tanpa moderne Spielereien – sondern so nah wie möglich an der traditionellen Methode, die seit Generationen weitergegeben wird.
Plov vs. Nasi Goreng: Ein Vergleich der Reis-Kulturen
Es ist faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich Reis interpretiert werden kann. In unserem Guide über den Unterschied zwischen Nasi Goreng und usbekischem Plov gehen wir tiefer darauf ein, warum der eine Reis gebraten und der andere gedämpft wird.
Für Berliner Haushalte ist Plov zudem eine fantastische Lösung für die schnelle Küche nach Feierabend, wenn man einmal eine größere Menge für die ganze Woche vorkochen möchte.
Die Magie der Gewürze
Was Plov so besonders macht, ist das „Zirvak“ – die Basis aus Fleisch, Zwiebeln und Karotten. Es erinnert fast an die aromatische Tiefe einer Tom Kha Gai, auch wenn die Geschmacksprofile grundverschieden sind. Während thailändische Suppen auf Kokos und Galgant setzen, regiert beim Plov der Kreuzkümmel.
Was ist usbekischer Plov eigentlich?
Usbekischer Plov – in Usbekistan auch „Osh“ genannt – ist ein traditionelles Reisgericht, das aus wenigen, aber sehr präzise eingesetzten Zutaten besteht: Reis, Fleisch, Karotten, Zwiebeln, Öl und Gewürze. Klingt simpel? Genau darin liegt die Kunst.
Plov ist kein Alltagsessen wie Brot oder Suppe. Er wird zu besonderen Anlässen gekocht: Hochzeiten, Familienfeiern, religiösen Festen oder wenn Gäste kommen. In vielen Regionen Usbekistans gilt: Wer Plov kocht, übernimmt Verantwortung – denn ein guter Plov entscheidet über den Ruf des Gastgebers.
Warum der Kasan so wichtig ist
Der Kasan ist ein schwerer Gusseisentopf mit dicken Wänden. Er speichert Hitze extrem gut und verteilt sie gleichmäßig. Genau das braucht Plov. In einem normalen Topf wird der Reis oft matschig oder verbrennt unten – im Kasan dagegen gart alles langsam und kontrolliert.
Traditionell wird Plov über offenem Feuer zubereitet. In der modernen Küche funktioniert ein Kasan aber auch perfekt auf dem Herd. Wichtig ist nur: viel Hitze am Anfang, Geduld am Ende.
Regionale Unterschiede beim Plov
Plov ist nicht gleich Plov. In Samarkand wird der Reis oft geschichtet und gedämpft, in Taschkent wird alles stärker vermischt. Manche Regionen verwenden Lamm, andere Rind. Es gibt Varianten mit Kichererbsen, Rosinen oder sogar Wachteleiern.
In diesem Rezept konzentrieren wir uns auf die klassische usbekische Variante, die als Basis für fast alle regionalen Stile gilt – kräftig, aromatisch und absolut authentisch.
Die Zutaten: Wenig, aber kompromisslos richtig
Usbekischer Plov lebt nicht von exotischen Zutaten, sondern von Qualität, Schnitttechnik und Timing. Wer hier schludert, bekommt Reis mit Fleisch. Wer es ernst meint, bekommt Plov.
Die Basiszutaten (für 4–6 Personen)
Fleisch – Herz und Seele des Plovs
Traditionell wird Lammfleisch verwendet, idealerweise aus Schulter oder Keule. Alternativ funktioniert Rindfleisch (Wade oder Schulter) ebenfalls sehr gut.
Wichtig: Das Fleisch muss genug Fett haben. Mageres Fleisch trocknet aus und macht den Plov langweilig.
👉 Faustregel: Grob würfeln, nicht klein schneiden. Plov ist kein Gulasch.
Reis – kein Risotto, kein Sushi
Der ideale Reis ist Langkornreis mit geringer Stärke, z. B. Devzira (original), Basmati oder Jasmin als Ersatz.
Der Reis wird vor dem Kochen mehrfach gewaschen, bis das Wasser klar ist. Dieser Schritt entscheidet darüber, ob dein Plov locker oder matschig wird.
Karotten – niemals gerieben!
Usbekischer Plov verwendet gelbe oder orange Karotten, geschnitten in feine Stifte. Keine Reibe, keine Scheiben.
Karotten bringen Süße, Struktur und Balance zur Fettigkeit des Gerichts. Zu wenig Karotten = flacher Geschmack.
Zwiebeln – Geschmacksträger
Weiße oder gelbe Zwiebeln, grob geschnitten. Sie lösen sich später fast auf und geben dem Öl Tiefe.
Öl – mehr ist mehr
Plov braucht Öl. Punkt.
Traditionell wird Baumwollsamenöl verwendet, alternativ Sonnenblumen- oder Rapsöl.
Wer Angst vor Fett hat, sollte kein Plov kochen.
Gewürze – minimalistisch, aber präzise
- Ganze Knoblauchknollen (nicht geschält!)
- Kreuzkümmel (Cumin) – unverzichtbar
- Schwarzer Pfeffer
- Salz
- Optional: Berberitzen (leicht säuerlich, sehr authentisch)
Keine Paprikamischungen, kein Curry, kein Chaos. Plov ist kein Gewürzregal-Test.
Einkaufstipps für deutsche Küchen
Alles bekommst du in:
- Türkischen Supermärkten
- Russischen / osteuropäischen Läden
- Größeren Asia-Shops
Ein Kasan aus Gusseisen lohnt sich – nicht nur für Plov, sondern für jedes Schmorgericht mit Anspruch.
Schritt-für-Schritt Zubereitung im Gusseisentopf (Kasan)
Jetzt entscheidet sich alles. Plov verzeiht keine Hektik, aber belohnt Geduld gnadenlos.
Schritt 1: Öl richtig erhitzen – nicht halbherzig
Den Kasan auf starke Hitze stellen und das Öl großzügig hineingeben. Das Öl muss richtig heiß sein, fast rauchend. In Usbekistan wird oft ein kleines Stück Zwiebel ins Öl gegeben – sobald es sofort brutzelt, ist das Öl bereit.
Dieser Schritt sorgt dafür, dass später nichts klebt und die Aromen sich sauber entfalten.
Schritt 2: Zwiebeln bräunen, nicht dünsten
Zwiebeln ins heiße Öl geben und kräftig anbraten, bis sie goldbraun sind. Nicht weich, nicht glasig – braun. Hier entsteht die erste Geschmackstiefe.
Wer diesen Schritt überspringt, bekommt flachen Plov.
Schritt 3: Fleisch scharf anbraten
Das Fleisch kommt jetzt dazu. Hohe Hitze, nicht rühren wie verrückt. Lass das Fleisch Röstaromen entwickeln. Erst wenn sich eine schöne Farbe gebildet hat, umrühren.
Das Ziel ist kein Durchgaren, sondern Geschmack.
Schritt 4: Karotten unterheben – Geduld zahlt sich aus
Die Karottenstifte kommen nun hinein. Hitze etwas reduzieren, alles vorsichtig mischen. Die Karotten sollen nicht zerfallen, sondern weich werden und ihre Süße abgeben.
Jetzt beginnt der sogenannte Zirvak – die aromatische Basis des Plovs.
Schritt 5: Würzen wie ein Usbeke
Jetzt kommen Salz, Kreuzkümmel, Pfeffer und optional Berberitzen dazu. Ganze Knoblauchknollen werden mit Schale in die Mischung gedrückt.
Alles kurz ziehen lassen, dann mit Wasser aufgießen, bis Fleisch und Karotten gerade bedeckt sind. 20–30 Minuten sanft köcheln lassen.
Der Zirvak muss kräftig schmecken – fast zu salzig. Der Reis gleicht das später aus.
Schritt 6: Reis auflegen – nicht umrühren!
Den gewaschenen Reis gleichmäßig auf den Zirvak legen. Nicht mischen. Niemals.
Wasser vorsichtig angießen, bis der Reis etwa 1–1,5 cm bedeckt ist. Hitze wieder erhöhen.
Schritt 7: Verdampfen lassen und dämpfen
Sobald das Wasser fast weg ist und kleine Löcher im Reis erscheinen, Hitze reduzieren. Mit einem Stiel kleine Dampflöcher bis zum Topfboden stechen.
Deckel drauf, Hitze niedrig, 20 Minuten dämpfen lassen.
Nicht schauen. Nicht rühren. Vertrauen.
Schritt 8: Der magische Moment
Jetzt wird alles vorsichtig vermischt. Reis, Fleisch und Karotten verbinden sich zu einem Gericht, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
Der Duft? Unverkennbar.
Der Geschmack? Tief, warm, ehrlich.
Plov richtig servieren – Tradition trifft Genuss
In Usbekistan wird Plov nicht einfach auf Teller geklatscht. Er wird auf einer großen Platte angerichtet. Der Reis bildet die Basis, darauf kommen Fleischstücke und Karotten, gekrönt von der weichen Knoblauchknolle.
Dazu gibt es meist:
- Frischen Salat aus Tomaten & Zwiebeln
- Fladenbrot
- Grünen oder schwarzen Tee
Kein Schnickschnack. Plov steht im Mittelpunkt – und das völlig zu Recht.
Typische Fehler beim Plov (und wie du sie vermeidest)
Zu wenig Öl
Plov ist kein Diätgericht. Zu wenig Öl macht den Reis trocken und geschmacklos. Wenn du schon Plov kochst, dann richtig.
Falscher Reis
Rundkornreis oder ungewaschener Reis ist der schnellste Weg zu Reispampe. Wasche den Reis gründlich – immer.
Zu viel Rühren
Plov ist kein Risotto. Jeder unnötige Löffel zerstört die Struktur.
Ungeduld
Der größte Feind von gutem Plov. Hitze, Ruhe, Zeit – diese Reihenfolge ist heilig.
Warum Plov mehr ist als nur ein Reisgericht
Plov ist Gemeinschaft. In Usbekistan kochen oft Männer Plov für große Runden. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Verantwortung: Alle sollen satt, zufrieden und glücklich sein.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum Plov gerade in Europa wieder entdeckt wird. In einer Zeit voller schneller Rezepte erinnert uns dieses Gericht daran, dass gutes Essen Zeit braucht – und Aufmerksamkeit.
Fazit: Plov kochen heißt, Haltung zeigen
Usbekischer Plov im Gusseisentopf ist kein Trendgericht. Er ist ein Statement gegen Eile, gegen Abkürzungen, gegen halbherziges Kochen.
Wer Plov kocht, entscheidet sich bewusst für Tiefe statt Tempo. Für Handwerk statt Hacks. Für Geschmack statt Show.
Und genau deshalb schmeckt er nicht nur gut – er bleibt im Kopf.