
Es gibt Kekse — und dann gibt es Vanillekipferl.
Kein anderes Weihnachtsgebäck ist so unerbittlich in seiner Einfachheit: drei Grundzutaten, eine Form, eine Technik. Und genau deshalb gibt es kein Verstecken. Vanillekipferl verzeihen keine schlechte Butter, kein falsches Mehl und keine ungenaue Backzeit. Wer sie richtig macht, bekommt Kekse die auf der Zunge zerfallen bevor man überhaupt zugebissen hat — dieses Zartschmelzen das sich wie eine Kindheitserinnerung anfühlt, auch wenn man sie zum ersten Mal backt.
Dieser Artikel ist der vollständige Guide. Nicht nur das Rezept — sondern warum jede Zutat so gewählt ist wie sie ist, was die häufigsten Fehler sind, wie man sie behebt, und welche Variationen funktionieren ohne den Charakter des Gebäcks zu zerstören.
Was Vanillekipferl eigentlich sind — und woher sie kommen
Vanillekipferl sind kein deutsches Gebäck — sie kommen aus Wien. Die älteste dokumentierte Version stammt aus der österreichischen Hofküche des 18. Jahrhunderts, wo sie als „Kipferl“ (Hörnchen) zu Weihnachten gebacken wurden. Die Legende verbindet ihre Halbmond-Form mit dem Sieg über die osmanischen Belagerungen Wiens — das Hörnchen als Symbol über den Halbmond. Ob diese Geschichte stimmt, ist historisch umstritten. Dass Vanillekipferl zu den beliebtesten Weihnachtskeksen im deutschsprachigen Raum gehören, ist es nicht.
In Berliner Küchen — wo Weihnachtsbäckerei eine eigene Kulturgeschichte hat, von Kaltem Hund bis zu Berliner Pfannkuchen — sind Vanillekipferl seit Generationen auf jedem Adventsteller. Sie sind klein genug für drei in einem Bissen, elegant genug für Gäste, und einfach genug dass man sie auch unter Zeitdruck backen kann.
Die drei Zutaten die alles entscheiden
Vanillekipferl bestehen im Kern aus drei Zutaten: Butter, Mehl und gemahlenen Nüssen. Alles andere — Zucker, Vanille, Salz — ist Unterstützung. Die Qualität dieser drei Zutaten entscheidet zu 90% über das Ergebnis.
1. Die Butter — das wichtigste Element
Vanillekipferl sind ein Mürbeteig-Gebäck. Mürbeteig bedeutet: Fett unterbricht die Glutenentwicklung im Mehl — je mehr hochqualitatives Fett, desto mürber und zartschmelzender das Ergebnis. Butter ist deshalb nicht ersetzbar:
- 🧈 Mindestfettgehalt 82%: Deutsche Standardbutter hat 80–82% Fett. Für Vanillekipferl ist 82%+ entscheidend — diese 2% Unterschied machen texturell einen messbaren Unterschied. Irische oder französische Butter (Kerrygold, Président, Beurre de Bretagne) haben oft 84–86% Fettgehalt und ergeben die mürbesteKipferl-Textur
- 🌡️ Zimmertemperatur — zwingend: Butter muss weich sein — nicht geschmolzen, nicht kalt. Weiche Butter lässt sich mit Mehl und Nüssen zu einem gleichmäßigen Teig verbinden ohne Glutenstränge zu entwickeln. Kalte Butter ergibt einen harten Teig der sich schlecht formen lässt und beim Backen reißt
- 🚫 Margarine nicht geeignet: Margarine enthält Wasser und Emulgatoren die beim Backen anders reagieren als Butterfett. Vanillekipferl mit Margarine backen ist technisch möglich — aber das charakteristische Zartschmelzen kommt ausschließlich aus dem Butterfett. Kein Kompromiss bei dieser Zutat
2. Die Nüsse — Textur und Aroma
Die klassische Wahl sind gemahlene Mandeln — sie geben eine feine, leicht körnige Textur ohne den Teig zu schwer zu machen. Die österreichische Originalversion verwendet oft gemahlene Walnüsse — erdiger, intensiver, mit einer leichten Bitterkeit die den Vanillegeschmack hebt. Beide sind richtig, beide ergeben authentische Vanillekipferl mit unterschiedlichem Charakter.
- 🌰 Mandeln → heller, milder, feiner — die zugänglichste Version für alle Altersgruppen
- 🟤 Walnüsse → dunkler, intensiver, leicht bitter — die österreichische Originalversion
- 🌿 Haselnüsse → nussig-warm, aromatischer als Mandeln — beliebt in Süddeutschland
Wichtig: selbst mahlen ergibt ein besseres Ergebnis als fertiges Mandelmehl. Frisch gemahlene Mandeln haben noch ätherische Öle die beim Backen Aroma freisetzen. Fertiges Mandelmehl ist oft zu fein und zu trocken — der Teig wird brüchig statt mürbe.
3. Die Vanille — echt oder Zucker?
Vanillekipferl heißen nicht umsonst so. Das Vanille-Aroma ist kein optionales Topping — es ist das aromatische Rückgrat des Gebäcks. Und hier gibt es einen echten Qualitätsunterschied:
- 🌿 Echte Vanilleschote: Das Mark einer halben Schote direkt in den Teig einarbeiten — und die ausgekratzte Schote im Bestäuber-Zucker lagern für die finale Bestäubung. Echte Vanille gibt eine Tiefe und ein warmes, blumiges Aroma das synthetische Vanille nicht erreicht. Für ein Pillar-Rezept das man ernsthaft backt: echte Schoten verwenden
- 🍬 Bourbon-Vanillezucker: Der beste Kompromiss wenn keine echten Schoten vorhanden. Dr. Oetker Bourbon-Vanillezucker enthält echtes Vanille-Extrakt — deutlich besser als Standard-Vanillinzucker der synthetisches Vanillin verwendet. Unterschied auf der Packung: „Vanillezucker“ = echt, „Vanillinzucker“ = synthetisch
- 🚫 Vanillinzucker: Synthetisches Vanillin — funktioniert, aber das charakteristische warme Vanille-Aroma fehlt. Für Alltagsbacken akzeptabel, für das perfekte Vanillekipferl nicht die erste Wahl
Das Grundrezept: Zutaten und Mengen
Zutaten (für ca. 50–60 Stück):
- 🧈 250g Butter — zimmerwarm, 82%+ Fettgehalt
- 🌾 200g Weizenmehl Type 405 — gesiebt
- 🌰 100g gemahlene Mandeln — frisch gemahlen bevorzugt (oder Walnüsse/Haselnüsse)
- 🍬 80g Puderzucker — gesiebt, für den Teig
- 🌿 1 Vanilleschote — Mark ausgekratzt (oder 2 Päckchen Bourbon-Vanillezucker)
- 🧂 1 Prise Salz — unverzichtbar, hebt alle Aromen
Für die Bestäubung:
- 🍬 100g Puderzucker
- 🌿 1–2 TL Vanillezucker — oder ausgekratzte Schote im Puderzucker lagern
Den Teig herstellen: Die Technik die über alles entscheidet
Vanillekipferl-Teig ist ein Mürbeteig — und Mürbeteig hat eine Grundregel die alle anderen überlagert: so wenig kneten wie möglich, so schnell wie nötig. Jede überflüssige Knetbewegung entwickelt Gluten im Mehl und macht die Kipferl zäh statt mürbe. Das ist der häufigste Fehler und er passiert genau dann wenn man denkt „der Teig braucht noch etwas mehr Arbeit“.
- Butter und Zucker cremig rühren (3 Minuten): Zimmerwarme Butter mit dem Puderzucker, dem Vanillemark und der Prise Salz in einer Schüssel mit dem Handrührgerät oder der Küchenmaschine auf mittlerer Stufe 2–3 Minuten cremig rühren bis die Masse hell, fluffig und deutlich voluminöser ist. Diese Lufteinarbeitung ist wichtig — sie gibt den Kipfeln später eine leicht poröse, zartschmelzende Struktur
- Mandeln einarbeiten (30 Sekunden): Gemahlene Mandeln auf niedriger Stufe kurz unterrühren. Kein langes Mixen — nur bis die Mandeln gleichmäßig verteilt sind
- Mehl einarbeiten — der kritische Moment: Gesiebtes Mehl auf einmal dazugeben. Ab jetzt: Handrührgerät aus, nur noch mit den Händen oder einem Teigschaber arbeiten. Mehl schnell und zügig unterheben bis gerade eben kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist — nicht kneten, nur zusammendrücken. Der Teig soll zusammenhalten wenn man ihn drückt — er wird noch etwas klebrig wirken, das ist normal
- Kühlzeit — unverzichtbar (mindestens 1 Stunde): Teig zu einer flachen Scheibe formen, in Frischhaltefolie wickeln, mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank — besser 2 Stunden, optimal über Nacht. Diese Ruhezeit ist kein optionaler Schritt. In der Kälte festigt sich das Fett wieder, der Teig wird formbar ohne zu kleben, und die Aromen verbinden sich vollständig. Kalter Teig lässt sich präzise formen — warmer Teig bricht oder verliert die Form im Ofen
Formen: Die Technik für gleichmäßige Kipferl
Die Form ist das Erkennungszeichen des Vanillekipferls. Ein gleichmäßiger Halbmond mit leicht zugespitzten Enden — zu dick gebacken verlieren sie die Zartheit, zu dünn werden sie brüchig. Die richtige Technik ist lernbar in 5 Minuten:
- 🖐️ Portionsgröße: Teig aus dem Kühlschrank nehmen, kurz auf der Arbeitsfläche akklimatisieren (2–3 Minuten). Pro Kipferl ca. 10–12g Teig abstechen — das ergibt gleichmäßige, mundgerechte Stücke. Eine Küchenwaage für die ersten 5 Stück lohnt sich um ein Gefühl für die Menge zu bekommen
- 🌀 Rolle formen: Teigstück zwischen den Handflächen zu einer gleichmäßigen Rolle von ca. 7–8cm Länge rollen. Die Mitte etwas dicker lassen als die Enden — beim Formen zum Halbmond werden die Enden automatisch dünner und spitzer
- 🌙 Halbmond biegen: Rolle auf das mit Backpapier ausgelegte Blech legen, vorsichtig zum Halbmond biegen. Die Enden zeigen leicht nach unten. Alle Kipferl sollten gleich groß und gleich dick sein — unterschiedliche Größen ergeben unterschiedliche Backzeiten auf demselben Blech, einige verbrennen während andere noch roh sind
- ❄️ Tipp bei warmem Teig: Wenn der Teig beim Formen klebt oder reißt: Blech mit geformten Kipfeln 15 Minuten in den Kühlschrank bevor ins den Ofen — sie halten ihre Form besser und laufen nicht auseinander
Backen: Temperatur, Zeit und die entscheidenden 2 Minuten
Vanillekipferl backen bei 160–170°C Ober-/Unterhitze — nicht Umluft. Umluft trocknet die empfindlichen Kipferl aus und bräunt sie zu schnell an den Enden bevor die Mitte gar ist. Ober-/Unterhitze gibt eine gleichmäßige, sanfte Hitze die dem Butterfett Zeit gibt langsam zu schmelzen und die Textur zu entwickeln.
Die Backzeit: 12–15 Minuten — und hier sind die letzten 2 Minuten die entscheidenden.
- 👁️ Farbe als Indikator: Fertige Vanillekipferl sind hellgoldfarben bis leicht sandfarben — nicht braun. Braune Kipferl sind zu lange gebacken und verlieren das zartschmelzende Mundgefühl. Die Farbe entwickelt sich in den letzten 2 Minuten schnell — Ofen nicht verlassen in dieser Phase
- 🤚 Der Drucktest: Ein fertig gebackenes Kipferl fühlt sich direkt aus dem Ofen noch sehr weich an — fast zu weich um es anzufassen. Das ist korrekt. Vanillekipferl werden erst beim Abkühlen fest. Wer wartet bis sie sich im Ofen fest anfühlen, hat sie überbacken
- 🔄 Ein Blech pro Durchgang: Zwei Bleche gleichzeitig im Ofen backen funktioniert bei Vanillekipferl schlecht — das obere Blech bräunt zu schnell, das untere zu langsam. Ein Blech auf mittlerer Schiene, volle Aufmerksamkeit in den letzten 3 Minuten
- ⏸️ Abkühlen vor dem Bestäuben: Frisch gebackene Kipferl sind extrem fragil — sie zerbrechen beim Anfassen. 5–8 Minuten auf dem Blech abkühlen lassen bis sie minimal gefestigt sind, dann vorsichtig (!) mit einem breiten Pfannenwender abheben. Für das Bestäuben: noch warm aber nicht heiß — in Teil 3 erklärt
Die 7 häufigsten Fehler — und wie man sie behebt
| Fehler | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Teig klebt, lässt sich nicht formen | Butter zu warm | Teig 30 Min kühler stellen |
| Teig bricht beim Formen | Zu wenig Fett oder zu kalt | Kurz in Händen erwärmen, 1–2 Min warten |
| Kipferl laufen im Ofen auseinander | Teig zu warm ins Ofen | Geformtes Blech 15 Min kühlen vor dem Backen |
| Zu dunkel / verbrennen an den Enden | Temperatur zu hoch oder Umluft | Auf Ober-/Unterhitze 160°C wechseln |
| Zäh statt mürbe | Zu lang geknetet | Beim nächsten Mal Mehl nur kurz unterdrücken |
| Kein Vanillegeschmack | Vanillinzucker statt Vanillezucker | Bourbon-Vanillezucker oder echte Schote |
| Zerbrechen beim Bestäuben | Zu heiß oder zu früh angefasst | 8 Min abkühlen, breiten Pfannenwender nutzen |
Der mit Abstand häufigste Fehler in Berliner Haushalten ist der zweite: zu langes Kneten nach dem Mehl-Einarbeiten. Wer schon gute Erfahrung mit Mürbeteig hat — etwa vom Waffelteig ohne Butter oder beim Buttermilch-Waffelteig — kennt das Prinzip: weniger ist mehr, sobald Mehl im Spiel ist.
Backofen-Kalibrierung: Warum dein Ofen lügt
Backöfen sind oft ungenau — ein auf 170°C eingestellter Ofen backt real bei 155°C oder 185°C. Bei Vanillekipferl macht diese Abweichung den Unterschied zwischen perfekt und verbrannt. Ein einfaches Ofenthermometer (unter 10 Euro) ist die günstigste Investition für bessere Backergebnisse und lohnt sich für alle Backrezepte — von Kipfeln bis zum Berliner Pfannkuchen. Den Ofen einmal mit Thermometer kalibrieren, Abweichung notieren, bei jedem Backrezept entsprechend kompensieren.
Das Bestäuben: Der letzte Schritt der alles krönt
Das Bestäuben ist kein dekoratives Finish — es ist ein geschmacklicher Schritt. Warm bestäubte Kipferl nehmen den Puderzucker anders auf als abgekühlte: die noch leicht feuchte Oberfläche des warmen Gebäcks zieht den Vanille-Puderzucker an und bildet eine hauchdünne, leicht klebrige Schicht die beim Abkühlen zu einer samtigen Zuckerhülle wird. Vollständig abgekühlte Kipferl haben eine trockene Oberfläche — der Zucker liegt lose oben und fällt beim ersten Bissen ab.
Die richtige Technik:
- Timing: Kipferl 6–8 Minuten nach dem Herausnehmen bestäuben — noch warm, aber nicht mehr heiß. Zu heiß: der Puderzucker löst sich auf und verschwindet. Zu kalt: der Zucker haftet nicht
- Vanille-Puderzucker vorbereiten: 100g Puderzucker mit ausgekratzter Vanilleschote in einem verschlossenen Glas mindestens 24 Stunden lagern — die Schote gibt ihr Aroma vollständig an den Zucker ab. Alternativ: Puderzucker mit 1–2 TL Bourbon-Vanillezucker mischen und durch ein feines Sieb sieben
- Zweimal bestäuben: Erste Bestäubung warm — Kipferl auf einem Gitter oder Backpapier, Puderzucker durch ein feines Sieb großzügig darüber stäuben. Vollständig abkühlen lassen. Zweite Bestäubung kalt — kurz vor dem Servieren oder Verpacken. Das Ergebnis: eine satte, weiße Zuckerschicht die das Vanille-Aroma einschließt und beim Anbeißen auf der Zunge schmilzt
- Nicht drücken, nicht reiben: Kipferl beim Bestäuben nie anfassen oder drücken — sie sind auch nach dem Abkühlen noch fragil. Nur sieben, nie einreiben
Variationen: Das Grundrezept kreativ erweitern
- 🍫 Schokoladen-Kipferl: Die Enden der abgekühlten Kipferl in temperierte dunkle Schokolade (70%) tauchen — 1–2cm tief. Auf Backpapier trocknen lassen. Kein Puderzucker auf den Schoko-Enden — nur auf der Mitte. Die Kombination aus Vanille-Mürbeteig und bitterer Schokolade ist die beliebteste Variation nach dem Klassiker und gehört auf jeden Berliner Adventsteller neben dem Kalten Hund
- 🌰 Haselnuss-Kipferl (nussiger, intensiver): Mandeln 1:1 durch gemahlene Haselnüsse ersetzen. Haselnüsse vorher 8 Minuten bei 180°C rösten, abkühlen lassen, in einem Küchentuch die Haut abreiben, dann mahlen — dieser Röstschritt macht den gesamten Unterschied und gibt die intensivste Nuss-Vanille-Kombination aller Variationen
- 🌿 Glutenfreie Kipferl: Weizenmehl durch eine Mischung aus 120g Reismehl + 50g Speisestärke + 30g Mandelmehl ersetzen. Reismehl allein ergibt eine sandige Textur — die Stärke gibt Bindung, das Mandelmehl gibt Feuchtigkeit. Mit dieser Mischung sind glutenfreie Kipferl vom Original kaum zu unterscheiden — eine Erkenntnis die auch für das Backen mit Reismehl generell gilt. Teig braucht 15 Minuten mehr Kühlzeit als die Weizenversion
- 🌱 Vegane Kipferl: Butter durch vegane Butter mit hohem Fettgehalt ersetzen (Alsan-S, 80%+ Fett) — gleiche Menge, gleiche Technik. Wichtig: vegane Butter muss ebenfalls zimmerwarm sein. Das Ergebnis ist etwas weniger mürbe als mit Milchbutter aber vollständig überzeugend — besonders wenn man die Mandelmenge auf 120g erhöht um die fehlende Buttertiefe zu kompensieren
- 🧡 Kürbis-Gewürz-Kipferl (Herbst-Version): 1 TL Zimt + ½ TL Kardamom + ¼ TL Muskat in den Teig einarbeiten. Mit Haselnüssen statt Mandeln. Das Ergebnis ist ein herbstliches Hybrid das den Geist der Kürbis-Herbstküche in die Weihnachtsbäckerei überträgt — für Oktober und November bevor die klassische Vanille-Version in der Adventszeit übernimmt
Aufbewahren, Einfrieren & Versenden: Vanillekipferl für Meal Prep
- 📦 Aufbewahren bis 4 Wochen: In einer luftdichten Blechdose bei Zimmertemperatur — kein Plastik, keine Tüten (Feuchtigkeit macht Kipferl weich). Lagen mit Backpapier trennen. Nicht zusammen mit anderen stark duftenden Keksen lagern — Vanillekipferl nehmen Aromen auf. Werden nach 3–4 Tagen noch mürber als frisch gebacken — das ist kein Qualitätsverlust, sondern der Reifeprozess des Mürbeteigs
- ❄️ Einfrieren — roh oder gebacken: Roh einfrieren ist die bessere Methode — geformte, ungebackene Kipferl auf einem Blech vorgefrieren (1 Stunde), dann in einen Gefrierbeutel umfüllen. Bis zu 3 Monate haltbar. Direkt aus dem Gefrierer in den vorgeheizten Ofen — 3–4 Minuten länger backen als normal. Ergebnis identisch frisch gebacken. Gebacken einfrieren funktioniert ebenfalls — vor dem Bestäuben einfrieren, nach dem Auftauen bestäuben für frisches Ergebnis
- 📬 Versenden als Geschenk: Vanillekipferl sind stabil genug für den Postversand wenn richtig verpackt: einzelne Lagen in Küchenpapier wickeln, eng in einer stabilen Blechdose schichten ohne Bewegungsraum, Dose mit Kreppband sichern. Innerhalb Deutschlands 2–3 Tage Versand problemlos — Kipferl kommen intakt an. Vor dem Versenden erste Bestäubung, Empfänger bestäubt ein zweites Mal frisch vor dem Essen
Back-Tipp: Das Geheimnis für die perfekte Konsistenz ist die Kühlzeit des Teigs. Wer eine glutenfreie Variante sucht, sollte meine Tipps unter Glutenfreie Backideen lesen. Du liebst klassische Desserts? Dann schau dir auch mein Oma-Style Rezept-Archiv an.
Häufige Fragen: Vanillekipferl Rezept
Warum werden meine Vanillekipferl nicht mürbe sondern hart?
Drei mögliche Ursachen: Erstens zu wenig Fett — Butter-Menge nicht reduzieren, sie ist bewusst hoch. Zweitens zu langes Kneten nach dem Mehl — Gluten macht Mürbeteig zäh, deshalb Mehl nur kurz unterdrücken bis gerade eben keine trockenen Stellen mehr sichtbar. Drittens falsche Backtemperatur — bei über 180°C backen Kipferl zu schnell von außen durch und trocknen aus. Ober-/Unterhitze 160–165°C ist die richtige Einstellung für zartschmelzende Ergebnisse.
Kann ich den Teig über Nacht im Kühlschrank lassen?
Ja — und es wird empfohlen. Über-Nacht-Teig hat die besten Aromen weil Vanille, Mandeln und Butter Zeit haben sich vollständig zu verbinden. Bis zu 48 Stunden im Kühlschrank problemlos. Teig direkt aus dem Kühlschrank ist sehr fest — 10–15 Minuten bei Zimmertemperatur stehen lassen bevor formen, damit er nicht bricht. Den Teig auch einfrieren — bis zu 4 Wochen, aufgetaut im Kühlschrank über Nacht.
Wie viele Vanillekipferl ergibt das Rezept?
Mit der angegebenen Menge (250g Butter, 200g Mehl, 100g Mandeln) und 10–12g pro Stück: 50–60 Kipferl. Für größere Mengen alle Zutaten linear skalieren — das Rezept funktioniert problemlos verdoppelt oder verdreifacht. Bei sehr großen Mengen (über 600g Butter): Teig in mehrere Portionen aufteilen für gleichmäßigere Kühlung und einfacheres Formen.
Muss ich die Mandeln selbst mahlen oder reicht gekauftes Mandelmehl?
Für das beste Ergebnis: selbst mahlen. Ganze geschälte Mandeln kurz im Blitzhacker oder Thermomix auf Stufe 6 / 5 Sekunden mahlen — nicht zu fein, eine leicht grobe Textur gibt den Kipfeln mehr Biss. Fertiges Mandelmehl funktioniert aber die Kipferl werden etwas trockener und weniger aromatisch da die ätherischen Öle in gemahlenem Mehl schnell verfliegen. Kompromiss: fertiges Mandelmehl verwenden aber 1 TL Mandelöl in den Teig einarbeiten um das fehlende Aroma zu kompensieren.
Warum zerfallen meine Kipferl beim Bestäuben?
Fast immer zu früh angefasst. Vanillekipferl brauchen nach dem Backen mindestens 6–8 Minuten auf dem Blech bis sie minimal strukturelle Festigkeit entwickelt haben. Direkt aus dem Ofen sind sie so fragil dass selbst leichtes Berühren sie zerbricht. Zweites Problem: Kipferl direkt vom Blech heben statt mit einem breiten, flachen Pfannenwender. Dritter Faktor: Teig zu wenig gekühlt — weicher Teig ergibt nach dem Backen weichere, fragilere Struktur. Nächstes Mal: geformte Kipferl 15 Minuten kühlen vor dem Backen.
Sind Vanillekipferl dasselbe wie Vanillehörnchen?
Ja — regional unterschiedliche Namen für dasselbe Gebäck. „Kipferl“ ist die österreichische und süddeutsche Bezeichnung, „Hörnchen“ oder „Vanillehörnchen“ ist im norddeutschen und Berliner Raum verbreitet. Das Rezept ist identisch. Manche Berliner Bäckereien nennen sie auch „Vanillekipferl österreichischer Art“ um die Wiener Herkunft zu betonen — dasselbe Gebäck, dasselbe Rezept, wie hier aus der Berliner Tradition weitergeführt.
Vanillekipferl im Jahreskalender: Wann backen?
Traditionell gehören Vanillekipferl in die Adventszeit — erster Advent bis Weihnachten. Aber das Rezept hat keine saisonale Beschränkung. Die Zutaten sind ganzjährig verfügbar, der Aufwand ist überschaubar und das Ergebnis ist zu gut um es auf sechs Wochen im Jahr zu beschränken. Wer den Teig eingefroren hat — wie oben beschrieben — kann frisch gebackene Vanillekipferl im Januar genauso auf den Tisch bringen wie am ersten Advent. Gutes Gebäck kennt keinen Kalender.